Tagebuch Mai 2011

Geschrieben von: B. Fahrner

Mittwoch, 11. Mai:
Nach langer Reise und etlichen Staus in den Niederlanden sind unsere Gäste zwar leicht verspätet aber dennoch gut in Hesel angekommen und wurden hier von ihren Austauschpartnern, deren Eltern, den verantwortlichen Lehrern der Schulen (HRS „Kloster Barthe“ und Möörkenschule) und der Schulleiterin Frau Fedorowicz herzlich empfangen. Eine kleine Erfrischung und Kekse wurden gereicht und die ersten zaghaften Worte wurden gewechselt. (Ça va? Ça va, merci, et toi?) Aber da sich die Austauschpartner ja schon in Frankreich ein wenig kennen gelernt hatten, bin ich sicher, dass das Eis sehr schnell brechen und die erste Schüchternheit der Freude über das Wiedersehen weichen wird. Nach den Begrüßungsworten von Frau Fedorowicz ging es dann auch sehr schnell nach Hause zu den Gastfamilien, wo ein erstes Abendessen und nach diesem anstrengenden Tag sicherlich das Bett auf die französischen Mädchen und Jungen wartete.

Donnerstag, 12. Mai:
In der ersten Stunde hatten die französischen Schülerinnen und Schüler Gelegenheit mit ihrem Lehrer, Nicolas Fromentin, über den vergangenen Tag und vor allem über ihre ersten Eindrücke in ihren deutschen Gastfamilien zu berichten. In der zweiten Stunde nahmen die Franzosen dann am Unterricht ihrer Partner teil. Danach waren alle Teilnehmer zu einem Empfang im Rathaus der Samtgemeinde Hesel eingeladen, wo sie vom Bürgermeister der Samtgemeinde, Herrn Uwe Themann, begrüßt wurden. Ganz besonders hervorzuheben ist, dass vor dem Rathaus zu Ehren der französischen Gäste die französische Flagge, „la Tricolore“, aufgezogen war, was die Franzosen begeistert zur Kenntnis nahmen. Der offiziellen Begrüßungsrede folgte der in Ostfriesland obligatorische Tee und Teekuchen, und die Teezeremonie wurde -nachdem Herr Themann sie ausführlich beschrieben hatte- vor allem von den französischen Gästen genau eingehalten. Zum Abschluss wurde natürlich noch ein Gruppenfoto vor dem Rathaus mit Bürgrmeister und Fahne gemacht, bevor sich alle für den überaus netten Empfang bedankten und wieder Richtung Schule auf den Weg machten. In den beiden letzten Schulstunden standen dann sportliche Aktivitäten auf dem Programm, und da in der letzten Woche nicht nur Franzosen in  der Schule „Kloster Barthe“ zu Gast waren, sondern auch Gäste aus unserer Partnerschule in Leipzig anwesend waren, hatten diese Spiele durchaus internationales Flair. Herr Kroon weihte eine Gruppe in die Geheimnisse des Boßelns ein, es wurde Fußball und Volleyball gespielt, wobei immer der Spaß am gemeinsamen Spiel im Vordergrund stand und nicht der Wettkampf.

Freitag, 13. Mai:
Abergläubisch sind weder die Deutschen noch die Franzosen und so war für diesen Tag eine Wattwanderung von Neßmersiel nach Baltrum geplant. Bevor wir uns aber ins schlickige Vergnügen stürzen durften, stand zuerst noch eine Betriebsbesichtigung in Nenndorf bei Westerholt auf dem Programm. Die Firma „Wittmunder Klinker“ zeigte uns eindrucksvoll, wie auch heute noch -genau so wie im Jahr der Firmengründung 1904- Klinker von herausragender Qualität gefertigt werden. An der Torfbrandmethode im originalen Ringofen hat sich nämlich bis heute nicht das Geringste geändert. Nach dieser Besichtigung stärkten wir uns alle bei einem Picknick im Neßmersieler Hafen, bevor uns die Wattführer Herr Kunth und seine Frau bei herrlichstem Sonnenschein mitnahmen auf eine interessante und manchmal auch abenteuerliche Durchquerung des Watts. Viel Wissenswertes über die Fauna und Flora dieses Lebensraums und die Bedeutung des Nationalparks Wattenmeer wurde uns dort erzählt, aber ich glaube, das Schönste für alle war das Planschen im Schlick und die Durchquerung der teilweise mehr als knietiefen Priele. Auf Baltrum hatten wir dann eine gute Stunde Zeit, die von vielen zu einem Gang an den Badestrand genutzt wurde. Bei der Rückfahrt mit der Fähre hatten wir dann das Glück, auf den Seehundbänken und davor im Wasser mehr als hundert dieser Tiere beobachten zu können. So viele Seehunde sind nur ganz selten auf einem Haufen zu sehen, und wir alle waren natürlich entsprechend beeindruckt.

Samstag, 14. und Sonntag, 15. Mai.:
Das Wochenende verbringen die französischen Schülerinnen und Schüler in ihren Gastfamilien.

Montag, 16. Mai:
Heute verbrachten die französischen Gäste den ganzen Vormittag in den Schulen in Hesel und Leer. Sie nahmen dort am Unterricht teil oder hospitierten in den Stunden, in denen keine aktive Teilnahme möglich war. So erhielten sie einen kleinen Eindruck von unserem Schulsystem, welches sich doch erheblich vom französischen unterscheidet.

Dienstag, 17. Mai:
Heute ging die Fahrt der Franzosen zunächst nach Emden zum VW-Werk. Die gut 2-stündige Führung durch das Werk beeindruckte vor allem die technikbegeisterten Jungen und Mädchen. Erstaunt waren alle, dass nur vergleichsweise wenige Arbeiter an den Fertigungsbändern zu sehen waren und wie präzise und genau die Roboter die Karosserie und das Fahrwerk zusammenschweißen und -löten. Auch die „Hochzeit“ dieser beiden Einzelteile zum fast fertigen Auto erfolgte computergesteuert mit Hilfe von Robotern. Die heimliche Hoffnung des einen oder anderen Schülers, vielleicht einen Passat mit nach Frankreich nehmen zu können, erfüllte sich leider (noch) nicht. Danach besuchte die Gruppe das Bunkermuseum in der Emder Innenstadt, in dem eindrucksvoll die Schrecken des Krieges und die Zerstörung großer Teile der Stadt dargestellt werden. Dass trotz der Vielzahl der teils heftigen Bombardierungen nur eine recht geringe Zahl von Todesopfern in Emden zu beklagen waren, ist auf die große Zahl (35) der damals vorhandenen Bunker zurückzuführen. Nach soviel Information war es dann Zeit, erst mal ein dickes Eis zu schlecken und sich ein wenig die Innenstadt von Emden anzusehen. Das Rathaus und das Feuerschiff im Delft wären sicher einen Besuch Wert gewesen, noch viel attraktiver waren aber "Dat Otto Huus" und der VW-Shop gegenüber, in welchem das eine oder andere Modellauto gekauft wurde. Rathaus und Delft müssen warten bis zum nächsten Mal. Auf dem Rückweg von Emden nach Leer und Hesel machten wir noch Station am Emssperrwerk bei Gandersum, um uns dieses imposante Bauwerk anzusehen.

Mittwoch, 18. Mai:
Den heutigen Tag verbrachten unsere französischen Freunde in Bremen. Der Besuch dieser Stadt ist jedes Jahr ein absolutes Muss im Austauschprogramm, denn für die aus einer ebenso ländlichen Region wie Ostfriesland kommenden Franzosen ist diese Tagestour in die Großstadt ein Highlight, das niemand missen möchte. Eine sehr qualifizierte Stadtführerin zeigte und erklärte unseren Gästen in ihrer Muttersprache die Sehenswürdigkeiten in Bremens Zentrum, brachte ihnen in groben Zügen einiges über Bremens Geschichte bei, und so manche Anekdote wird sicherlich noch länger im Gedächtnis der Schüler bleiben. Nach der Mittagspause, in welcher viele das Spezialitätenrestaurant mit dem großen „M“ und dem kleinen „c“ aufsuchten, stand noch der Besuch des Überseemuseums an.

Donnerstag, 19. Mai:
Schon Tradition hat die Paddel- und Pedaltour der Deutschen und ihrer „corres français“ in Timmel / Westgroßefehn. Trotz des bewölkten Himmels und einiger Regentropfen beim Start ließen wir uns nicht entmutigen und starteten voller Tatendrang zur Paddel- und Pedalstation nach Timmel. Am Timmeler Meer angekommen, hatte der Regen aufgehört und alle Schüler wurden in 3er oder 4er Gruppen auf die Kanus verteilt. Selbstverständlich wurde hierbei auf eine ausgewogene deutsch-französische Mischung geachtet. Für die Lehrer blieb leider nur das 10er Dickschiff übrig, mit dem die Steuerleute ihre liebe Mühe hatten, um es auf Kurs zu halten. Nach etwa 2 Stunden auf dem Ayenwolder und Fehntjer Tief kehrte die Gruppe auf das Timmeler Meer zurück. Einige waren etwas flügellahm und gaben ihre Kanus danach zurück, andere hatten aber noch lange nicht genug. Sie paddelten noch längere Zeit kreuz und quer über das Meer und hatten jede Menge Spaß dabei. Ganz Unerschrockene legten an der künstlichen Insel im Timmeler Meer an und dann war Schwimmen und Toben im nicht gerade badewannenwarmen Wasser des Meeres angesagt. Ausgepowert kehrten alle nach einiger Zeit an den Strand zurück, wo man sich erst mal mit Pommes, Eis und ähnlichen Leckereien stärkte, bevor die Gruppe dann den Heimweg antrat. Einig waren sich alle in ihrem Urteil über diesen Tag: Das war Spitze!!!

Freitag, 20. Mai:
Am letzten Vormittag des Austauschs war noch mal Schule und Teilnahme am Unterricht angesagt. Den Nachmittag brauchte man um letzte Besorgungen zu machen, den Koffer zu packen und sich so langsam auf den Abschied aus Hesel und Leer vorzubereiten. Gegen 17.30 Uhr trafen sich dann alle zum letzten gemeinsamen Tee, zu welchem die Eltern der Schüler leckeren Kuchen gebacken hatten. Viel zu schnell vergingen die letzten zwei Stunden und es wurde ernst mit dem Abschied. Gut beraten waren diejenigen, die reichlich Taschentücher mitgebracht hatten, denn nach zehn gemeinsam verbrachten Tagen geht es beim verabschieden immer sehr tränenreich zu. Nach einem allerletzten Tschüss und den besten Wünschen für eine gute Heimfahrt setzte sich der Bus in Richtung Normandie in Bewegung.

Au revoir et bon retour!
On se revoit peut-être l’année prochaine!?

Fotos finden Sie in der Galerie.