Austauschfahrt Oktober 2012 nach Marigny /Canisy

Das Reisetagebuch

Montag (Lundi), 08. Oktober 

Am frühen Morgen des 08. Oktobers war es wieder so weit. 18 Heseler Schülerinnen und Schüler, unterstützt von 13 Teilnehmern der Möörkenschule in Leer starteten in Begleitung ihrer Französischlehrer in Richtung Normandie, wo wir pünktlich gegen 19h00 ankamen. 

Nach einem kurzen Empfang durch den "Principal" des Collège Marigny, M. Fratissier, und herzlichen Begrüßungsworten, fanden die Partner -die sich ja schon durch fleißiges Schreiben im Vorfeld miteinander bekannt gemacht hatten- sehr schnell zueinander. Danach ging es dann in die Wohnorte der Gastgeber, wo schon das erste französische "dîner" auf die müden und hungrigen Gäste wartete.

Dienstag (Mardi), 09. Oktober 

Heute vormittag fuhren die deutschen Teilnehmer in das nahegelegene Saint Lô (Hauptstadt des Départements Manche), wo wir zur Besichtigung eines Nationalgestüts (frz.: Haras) angemeldet waren. Die Vollblüter die hier für den Spring- und Trabrennsport gezogen werden, ließen das Herz der Pferdefreunde höher schlagen, und die Informationen zur Zucht und zum Training der Pferde waren auch für Laien verständlich und interessant. Sehr beeindruckend waren neben diesen Vollblütern auch die ebenfalls hier gezüchteten "Percherons", schwere Zugpferde von wirklich gewaltiger Größe,

Ein Hufschmied des Gestüts gab dann noch eine Probe seines Könnens und zeigte uns, wie aus einem einfachen Stück Eisen ein genau passendes Hufeisen für ein Pferd geschmiedet und angepasst wird.

Am Nachmittag dieses Tages nahmen alle Schülerinnen und Schüler am Unterricht der französischen Partner an den jeweiligen Standorten teil.

Mittwoch (Mercredi), 10. Oktober 

Auch heute Vormittag stand Unterricht auf dem Stundenplan und die deutschen Gäste konnten ihre am Tag zuvor schon gewonnenen ersten Eindrücke von Schule in Frankreich vertiefen. Manchmal wurden die Gäste sogar im Unterricht mit einbezogen (Mathe, Englisch, Deutsch, Sport u.a.) und haben sich dabei sehr achtbar geschlagen.

Da der Mittwoch Nachmittag in Marigny und Canisy unterrichtsfrei ist, verbrachten alle Gäste diese Zeit bei ihren Gastgebern mit den unterschiedlichsten Aktivitäten.

Donnerstag (Jeudi), 11. Oktober 

An diesem Tag waren gemeinsame (Deutsche und Franzosen) Besichtigungen zweier in der näheren Umgebung ansässigen Betriebe vorgesehen.                     

Zunächst fuhren wir nach Villedieu-les-Poêles, der Stadt der Kupferschmiede und der Glockengießerei Cornille-Havard, der ältesten noch tätigen Glockengießerei Frankreichs, wo auch heute noch, wie vor 150 Jahren, meisterhaft handwerklich gefertigte Glocken für Kathedralen auf der ganzen Welt gegossen werden. Eine fertige Glocke für die Kathedrale Notre-Dame de Paris konnte bewundert werden. Sie soll im nächsten Jahr, zum 850-jährigen Jubiläum der Kathedrale, gemeinsam mit vier weiteren noch zu gießenden Glocken wieder im Zentrum der französischen Hauptstadt ertönen.

Die Herstellung einer Glocke wurde uns sehr genau erklärt und die Werkstatt, die noch genau so aussieht wie zur Gründungszeit im Jahr 1865 und in der noch die gleichen Werkzeuge, Schmelzöfen und der hölzerne Laufkran aus dieser Zeit benutzt werden, vermittelte uns Eindrücke von der Handwerkskunst der Glockengießer. 

Danach fuhren wir weiter nach Vire, einer Kleinstadt am gleichnamigen Fluss, wo wir Gelegenheit hatten unser Picknick zu verzehren und anschließend noch ein wenig durchs Zentrum des Städtchens zu bummeln.

Um 14h00 waren wir dann Gäste der Fabrik "Guy Degrenne", einem Hersteller von sehr hochwertigen Tafelbestecken und Porzellan. Hier, im Stammhaus der Firma, führte man uns durch die Fertigungsstraße und zeigte und erklärte sehr detailliert die Arbeitsschritte die nötig sind, um aus einer riesigen Rolle Edelstahl Messer, Gabel, Löffel und andere Besteckteile herzustellen. "Guy Degrenne" ist in Frankreich und der ganzen Welt bekannt für seine edlen Bestecke und deren Qualität, und selbst die Edelmarke "Hermes" lässt hier fertigen. Fotos dieses Besuchs können leider nicht eingestellt werden, da das Fotografieren in dieser Fabrik untersagt war.

Zum Abschluss dieses langen und anstrengenden Tages waren wir Gäste der "Communauté de Commune de Marigny" (Gemeindeverwaltung), in den Räumen der Schule in Marigny. Viel mehr als an den obligatorischen Reden der Gemeindevertreter -verbunden mit allen guten Wünschen für einen weiteren angenehmen Aufenthalt in der Normandie-  waren die Schüler natürlich an den Getränken und den "petits fours" interessiert, die uns hier angeboten wurden. Die waren aber wirklich sowas von lecker .... das muss man schon sagen!

Die Schülerinnen und Schüler wurden nach diesem Empfang von den Eltern der Gastgeber abgeholt, während die Lehrerinnen und Lehrer noch Überstunden machen mussten: die beiden Schulen hatten nämlich zu einem Dîner in ein sehr gutes Restaurant eingeladen, und so wurde es für die Begleitpersonen noch ein richtig langer Abend vom Feinsten. Es soll sogar Champagner gegeben haben.

Freitag (Vendredi), 12. Oktober 

Mit bangen Blicken schauten heute morgen alle zum Himmel, denn für die heute anstehende dreistündige Wanderung durch das Watt hin zum Mont St. Michel hofften wir natürlich auf trockenes Wetter.

Gemeinsam mit unseren Gastgebern fuhren wir zunächst mit dem Bus bis zum "Bec d'Andaine", einer kleinen Landzunge in der Nähe des Ortes "Genêts", direkt gegenüber des Mont St. Michel. Kaum angekommen, ging ein heftiger Schauer nieder, den die schlaueren der Gruppe im Bus abwarteten. Einige Schüler hatten aber offensichtlich nicht gemerkt, dass es in Strömen goss, denn sie stiegen aus und versuchten dann rennend und mit großen Sprüngen unter ein schützendes Dach zu gelangen, was die im Bus verbliebenen amüsiert verfolgten.

So schnell wie der Schauer gekommen war, hörte es glücklichweise wieder auf zu regnen, und es sollte auch den ganzen Tag lang trocken bleiben. Unser Guide holte uns ab, erklärte uns die Gefahren der Strecke, gab uns bestimmte Verhaltensweisen während der Wanderung vor; und dann konnte es auch schon losgehen.

Anders als im Wattenmeer vor unserer Küste ist der Meeresboden in dieser Region sandig und weitgehend fest, so dass man relativ bequem und ohne auszurutschen gehen kann. Aufpassen muss man dagegen beim Durchqueren mehrerer Wasserläufe, wobei die Sélune -ein kleines Flüsschen das sich dort ins Meer ergießt- wegen des vielen Regens der vergangenen Wochen ausgesprochen viel Wasser führte und darüber hinaus auch noch eine sehr starke Strömung vorherrschte. Der Wattführer suchte lange, bis eine geeignete Stelle gefunden war, an der auch die kleineren der Gruppe gefahrlos queren konnten, ohne Gefahr zu laufen, bis zum Bauch im Wasser zu stehen.

Nach diesem kleinen Abenteuer war Freilufttheater angesagt. Unter der Regie unseres Guide stellten zwei sehr talentierte Nachwuchsschauspieler aus der deutschen Gruppe in den Rollen des Ritters Godefroy de Montgomery und der Prinzessin Hélène de Bretagne unterstützt von einigen Komparsen dar, wie die Insel "Tombelaine" -zwischen dem Bec d'Andaine und dem Mont gelegen- der Legende nach zu ihrem Namen kam. Der tosende Beifall der Zuschauer war der verdiente Lohn für die Darsteller.

Kurz vor dem Ziel führte uns der Guide noch die Tücken des Treibsandes vor: wenn man dort längere Zeit auf einer Stelle steht oder tritt, wird der Untergrund richtig wabbelig und man hat das Gefühl, auf einem Trampolin zu stehen, so sehr bewegt sich der Sandboden auf und nieder, zum großen Erstaunen aller Wattwanderer.

Nach Erreichen des Mont, der anschließenden Fußwaschung und dem Umziehen gab es erst Mal eine kräftige Stärkung in Form des mitgenommenen Picknicks, bevor wir gemeinsam bis zum Eingang der Abtei hinauf stiegen. Eine Besichtigung der Abtei war aber dieses Mal nicht vorgesehen und so hatten die Schüler danach freie Zeit und Gelegenheit, den Berg und die kleinen Sträßchen, Treppen und Gänge selbst zu erkunden.

Auf dem Rückweg zum Parkplatz erläuterte uns der französische Kollege noch die Arbeiten, die z.Zt. rund um den Mont vorgenommen werden, um die zunehmende Versandung der Bucht wieder rückgängig zu machen und den Mont St. Michel als Insel zu erhalten.

Gegen 17h15 waren wir wieder zurück in Marigny / Canisy und verabschiedeten uns voneinander ins Wochenende.

 

Samstag (Samedi) und Sonntag (Dimanche), 13. und 14. Oktober

Das Wochenende verbrachten alle Teilnehmer in den Gastfamilien, die ihren Gästen die verschiedensten Ausflüge und Aktivitäten anboten.

Montag (Lundi), 15. Oktober

Nach einem ereignisreichen Wochenende in den Gastfamilien trafen wir uns heute wieder in den beiden Collèges. In der ersten Stunde berichteten alle Schülerinnen und Schüler zunächst von ihren Erlebnissen, bevor ab der zweiten Stunde wieder die Teilnahme am Unterricht anstand.

Nach dem Mittagessen in der Kantine der Collèges ging es in die Sporthallen, wo gemeinsame sportliche Aktivitäten anstanden. In Marigny hatte die Sportlehrerin ein Badminton-Turnier organisiert, wobei die deutschen und französischen Partner jeweils ein Doppel bildeten. Im Anschluss daran fand noch ein gemeinsames Basketballspiel statt.

In Canisy war Tischtennis und Klettern angesagt. Die Kletterwand an der Stirnseite der Sporthalle war natürlich der große Renner und animierte vor allem die deutschen Schüler, ihr Geschick und ihre Kraft zu testen. Am Ende gelang es den meisten, die Wand zu bewältigen, und einige wenige schafften sogar die schwierigste Strecke mit einem heftig überhängenden Teilstück. Die französischen Gastgeber übernahmen bei dieser Kletterei die Sicherung der Kletterer am Seil.

Merci beaucoup les Français!

Dienstag (Mardi), 16. Oktober

Heute stand für die deutsche Gruppe eine weitere Ganztagesfahrt an. Zunächst brachte uns der Bus nach Isigny in die dortige Caramel-Fabrik. Eine Dame informierte uns zuerst über die Geschichte dieses Unternehmens, bevor sie uns die Herstellung der verschiedenen Caramelbonbons erklärte (leider waren auch hier Fotos nicht erlaubt).

Selbstverständlich gab es bei einer "Dégustation" auch die Gelegenheit die Produkte zu verkosten, und im Anschluss an die Führung bestand die Möglichkeit im Shop der Fabrik Einkäufe zu tätigen, was von fast allen Schülern auch fleißig genutzt wurde.

Danach fuhren wir weiter nach "La Cambe", dem größten deutschen Soldatenfriedhof in der Normandie. Hier liegen mehr als 22.000 im zweiten Weltkrieg Gefallene. Die Ruhe dieser Anlage und die Weitläufigkeit beeindruckte die Besucher sehr und das Alter vieler gefallener Soldaten -die jüngsten waren gerade 16 Jahre alt- ließ doch den ein oder anderen nachdenken über die schrecklichen Ereignisse im Juni 1944.

Von La Cambe aus ging es weiter nach Arromanches, wo wir auf der Uferpromenade picknickten. Hier in Arromanches gingen die Alliierten bei der Invasion 1944 an Land und Reste des damals aus England mitgebrachten künstlichen Hafens sind immer noch im Wasser zu sehen.

Den letzten Halt machten wir heute in Bayeux, einer Stadt mit einem sehr gut erhaltenen alten Stadtzentrum und einer sehenswerten Kathedrale. Viele Schüler nutzten die freie Zeit in Bayeux aber auch zum Shoppen und zum Kauf einiger Mitbringsel für Eltern und Verwandte.



Mittwoch (Mercredi), 17. Oktober

Den letzten Vormittag unseres Aufenthalts in Marigny und Canisy verbrachten wir wieder in den beiden Collèges.

Am Nachmittag waren alle dann in den Gastfamilien und es galt, Koffer zu packen, die vielen Einkäufe zu verstauen und sich ganz langsam auch mit dem Gedanken vertraut zu machen Abschied zu nehmen.

Gegen 19h00 trafen sich dann alle Gastgeber und deren Gäste ein letztes Mal im Speisesaal von Marigny, wo die Gastfamilien ein leckeres Buffet vorbereitet hatten. Bei typisch normannischen Spezialitäten verbrachten wir noch einige nette gemeinsame Stunden.

Selbstverständlich hatten die deutschen Gäste unter der Regie von Frau Holtappel auch ein herzliches "Dankeschön" in Form eines Kanons vorbereitet.

Gegen 22h00 verabschiedete man sich und es ging zum allerletzten Mal zurück in die Gastfamilien.

Donnerstag (Jeudi), 18. Oktober

Pünktlich um 8h00 starteten wir nach tränenreichem Abschied wieder in Richtung Heimat. Bevor es aber nach Hesel und Leer ging, stand zunächst noch der Besuch der französischen Hauptstadt an. Dieser ca. 12-stündige Aufenthalt ist immer wieder ein Highlight dieser Austauschfahrten und wird von allen Teilnehmern als absolutes Muss angesehen.

Gegen 12h30 kamen wir in Paris an und starteten unsere Besichtigungstour natürlich beim Tour Eiffel, den man einfach aus der Nähe gesehen haben muss. Die prominenten Besucher aus Ostfriesland wurden sogar mit einem Ständchen eines dänischen Spielmannzuges geehrt, der an unserer Gruppe vorbei defilierte.

Dann fuhren wir mit der Metro zum Tour Montparnasse, den wir auch per Fahrstuhl bestiegen. Von diesem gut 200 Meter hohen Turm hat man  wirklich einen tollen Blick über die Stadt.

Ein Bummel über die Prachtstraße Champs Elysées mit Arc de Triomphe an einem und Place de la Concorde am anderen Ende -inklusive Besuch von Mac Donalds- durfte selbstverständlich auch nicht fehlen.

Vom Place de la Concorde aus gingen wir dann zu Fuß vorbei an der Eglise de la Madeleine bis zur Opéra und dem dahinter liegenden Einkaufstempel, den Galéries Lafayette. Einige machten auch noch einen kurzen Abstecher zum Hard Rock Café um dort Sweat-Shirts o.ä. zu kaufen.

Zum Schluss unserer Tour durch Paris machten wir uns dann auf zur "Butte Montmartre" mit Sacré Cœur und Place du Tertre.

Gegen 23h30 saßen alle wieder zufrieden aber todmüde und ein wenig fußlahm im Bus und unsere Busfahrer starteten zur letzten Etappe nach Ostfriesland, wo wir am Freitag Vormittag wieder ankamen.